Führung der Zukunft: Orientierung geben, Wandel gestalten, Menschen stärken

Blog_Führung der Zukunft_November-2026

Dr. Philippe Krahnhof

02.11.2026

Orientierung entsteht durch klare Entscheidungen

Wenn sich Aufgaben, Prozesse und Kompetenzanforderungen verändern, brauchen Mitarbeitende ein nachvollziehbares Zukunftsbild. Was möchte die Bank erreichen? Welchen Beitrag leistet das eigene Team? Welche Aufgaben gewinnen an Bedeutung, und welche werden künftig anders erledigt? Führung muss diese Fragen konkret beantworten und strategische Ziele in verständliche Erwartungen übersetzen.

Unsere Befragung von 48 Kreditinstituten im Rahmen unserer Studie „Die intelligente Bank 2030“ verdeutlicht eine Lücke zwischen technologischem Anspruch und operativer Umsetzung. Digitalisierung und KI werden als relevant erkannt, ihre Verankerung in Kernprozessen bleibt jedoch begrenzt. Daraus ergibt sich eine Führungsaufgabe: Prioritäten setzen, Verantwortlichkeiten klären und entscheiden, welche Veränderungen zuerst umgesetzt werden. Orientierung entsteht auch dadurch, Vorhaben bewusst zurückzustellen und Teams vor widersprüchlichen Anforderungen zu schützen.

Wandel gestalten heißt, neue Arbeitsweisen vorzuleben

Mitarbeitende orientieren sich daran, was ihre Führungskräfte tatsächlich tun. Ihren Worten müssen Taten folgen, damit Teams Vertrauen in die Veränderung entwickeln und mitgehen. Wer datenbasierte Entscheidungen erwartet, sollte selbst Daten zur Steuerung nutzen. Wer den Einsatz von KI fördern möchte, muss Anwendungen ausprobieren, Ergebnisse kritisch hinterfragen und offen über Erfahrungen sprechen. Bleibt dieses Verhalten aus, verliert auch die überzeugendste Ankündigung an Glaubwürdigkeit.

Dabei gehört zur Vorbildfunktion auch, Unsicherheit anzuerkennen. Führungskräfte müssen nicht jede technische Frage beantworten können. Sie sollten jedoch erklären, welche Ziele verfolgt werden, welche Leitplanken gelten und wie das Team gemeinsam dazulernt. Beispielsweise kann eine Führungskraft mit ihrem Team prüfen, welche administrativen Tätigkeiten durch KI unterstützt werden können und wie sich dadurch Aufgaben und Zusammenarbeit verändern. So wird aus einer strategischen Ankündigung eine gemeinsam gestaltete Arbeitsweise.

Menschen stärken durch Beteiligung und Entwicklung

Neue Technologien verändern die Anforderungen an Mitarbeitende. Neben Fachwissen gewinnen Datenverständnis, kritisches Denken und die Fähigkeit an Bedeutung, technologische Ergebnisse einzuordnen. Führung muss dafür Lernmöglichkeiten schaffen, Feedback ermöglichen und Entwicklung mit konkreten Aufgaben verbinden.

Die Studie zeigt, dass vorhandene Qualifizierungsangebote noch nicht automatisch zu ausreichender Anwendungssicherheit führen. Für die Führungspraxis bedeutet das: Ein Training sollte durch die Bearbeitung realer Fälle, kollegialen Austausch und begleitete Reflexion ergänzt werden. Mitarbeitende müssen dabei ihren persönlichen Nutzen erleben können, etwa weniger wiederkehrende Dokumentationsarbeit, mehr Sicherheit bei anspruchsvollen Aufgaben oder mehr Zeit für Kundengespräche. Die Frage „Was verbessert sich für mich in meinem Arbeitsalltag?“ verdient eine konkrete Antwort. Wer diesen Vorteil selbst erfährt, kann Veränderungen eher mittragen und neue Fähigkeiten gezielt einsetzen.

Beteiligung beginnt bereits bei der Gestaltung der Veränderung. Teams kennen wiederkehrende Probleme, unnötige Abstimmungen und praktische Hindernisse. Dieses Wissen sollte genutzt werden, um Prozesse weiterzuentwickeln. Führung schafft dafür einen Rahmen, in dem Fragen, Fehler und Verbesserungsvorschläge offen angesprochen werden können und vereinbarte Veränderungen tatsächlich verfolgt werden.

Führungskräfteentwicklung gezielt und messbar gestalten

Auch Führungskräfte benötigen Unterstützung, die an ihrer konkreten Situation ansetzt. Ein Team braucht klarere Rollen, ein anderes bessere Zusammenarbeit an Schnittstellen, ein drittes Unterstützung im Umgang mit Veränderung. Eine fundierte Standortbestimmung hilft, diese Unterschiede sichtbar zu machen und Entwicklungsmaßnahmen zu priorisieren.

Einen entsprechenden Ansatz bietet unser Partner MONDAY.ROCKS: Das Leistungsangebot verbindet Teamanalysen mit priorisierten Handlungsempfehlungen, einer KI-gestützten Umsetzungsbegleitung und ergänzendem Experten-Coaching. Die Analyse betrachtet unter anderem Innovation, Entwicklung, Vernetzung und Verbundenheit. Daraus lassen sich Ansatzpunkte für die Arbeit mit Führungskräften und Teams ableiten.

Für Banken lässt sich daraus eine praktische Entwicklungslogik ableiten: Ausgangslage erfassen, Ergebnisse gemeinsam einordnen, wenige Maßnahmen vereinbaren und deren Umsetzung begleiten. Wiederholte Teamchecks können Veränderungen sichtbar machen. Ergänzende Prozesskennzahlen, beispielsweise zu Bearbeitungszeiten oder Nacharbeit, helfen bei der Bewertung der Geschäftswirkung. Entscheidend ist, die Ergebnisse im Kontext zu interpretieren und daraus die nächsten Entwicklungsschritte abzuleiten.

Drei Fragen für den Vorstand

Für die Weiterentwicklung von Führung reichen zunächst drei Fragen:

  • Welche Orientierung benötigen unsere Führungskräfte und Teams, um die Strategie in konkrete Prioritäten und Entscheidungen zu übersetzen?

  • Leben unsere Führungskräfte selbst vor, was sie von ihren Mitarbeitenden erwarten, und schaffen wir dafür ausreichend Zeit, Kompetenzen und Entscheidungsräume?

  • Woran erkennen wir, dass Führungskräfteentwicklung die Zusammenarbeit verbessert, Veränderung unterstützt und einen Beitrag zur Leistungsfähigkeit der Bank leistet?

Fazit

Führung entscheidet mit darüber, ob die Banktransformation im Alltag gelingt. Sie gibt Orientierung durch klare Entscheidungen und gewinnt Glaubwürdigkeit, wenn Führungskräfte die erwarteten Veränderungen selbst vorleben. Mitarbeitende brauchen Beteiligungsmöglichkeiten und einen erkennbaren persönlichen Nutzen. Eine gezielte, datenbasierte Führungskräfteentwicklung unterstützt dabei, diese Anforderungen in konkrete Verhaltensweisen und wirksame Zusammenarbeit zu übersetzen.

 

Ansprechpartner_Kreis_Philippe Krahnhof
Dr. Philippe Krahnhof
Senior Manager, Management Consulting
msg for banking

 


Was ist nun konkret zu tun? Banken sollten die Anforderungen an Führung aus ihrer strategischen Ausrichtung ableiten und mit der gelebten Praxis abgleichen. Eine fundierte Standortbestimmung schafft Transparenz über Stärken und Entwicklungsfelder. Darauf aufbauend gilt es, gezieltes Führungskräftecoaching mit konkreter Maßnahmenableitung und regelmäßiger Überprüfung der Wirkung zu verbinden. So wird Führungskräfteentwicklung zu einem wirksamen Bestandteil der Banktransformation.