Das Kosten-Qualitäts-Dilemma der Bankensteuerung

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Stefan Baumann

27.11.2025

Die akademische Forschung (u. a. NYU Stern, Universität St. Gallen, Goethe-Universität Frankfurt) warnt seit Langem vor der CIR als alleiniger Steuerungsgröße. Der Grund liegt im verhängnisvollen Denkfehler zwischen zwei betriebswirtschaftlichen Konzepten:

Kosteneffizienz vs. Gewinneffizienz

  • Kosteneffizienz (Cost Efficiency): Blick rein auf die Ausgabenseite – "Wie geben wir so wenig Geld wie möglich aus?" Wer hier stumpf kürzt, bremst Prozesse, verschlechtert den Service und riskiert einen Ertragseinbruch.
  • Gewinneffizienz (Profit Efficiency): Blick auf das Endergebnis unter dem Strich – "Wie setzen wir Mittel so ein, dass der maximale Reingewinn entsteht?" Hier werden gezielt höhere Ausgaben für Technologie in Kauf genommen, wenn sie um ein Vielfaches höhere Erträge generieren.

Drei konkrete Hebel belegen, warum eine Ausrichtung auf Gewinneffizienz der reinen Kosteneffizienz überlegen ist:

1. Adverse Selektion vermeiden: Schnelligkeit zieht Top-Bonitäten an. Ein Kreditkunde mit bester Bonität wartet ungern Wochen auf eine Filialentscheidung, wenn eine digitale Plattform in 24 Stunden zusagt. Die agile Bank zahlt zwar höhere Systemkosten pro Antrag, gewinnt aber das beste Risikoprofil. Die langsame Bank behält die risikoreicheren oder preissensiblen Restfälle.

2. Zahlungsbereitschaft für UX & Speed: Im Private und Corporate Banking akzeptieren Kunden höhere Margen, wenn ERP-Schnittstellen und Dashboards nahtlos funktionieren. Die Investition in hervorragenden Code zahlt sich über einen massiv höheren Customer Lifetime Value aus.

3. Grenzkosten nahe null: Klassische Filialstrukturen haben hohe variable Grenzkosten (Personalbedarf pro Gespräch). Digitale Architekturen erfordern zwar initiale Tech-Investitionen, verarbeiten die 100.000-ste Kreditentscheidung jedoch nahezu ohne zusätzliche Personalkosten.

Fazit: Die richtige Stellschraube wählen

Für die strategische Bankensteuerung gilt eine klare Faustregel: Sparen an der Kundenschnittstelle oder an der Prozessgeschwindigkeit ist kein Cost-Cutting, sondern Ertragsvernichtung.

Echtes Sparpotenzial liegt nicht im Kappen von Markt- und Tech-Kapazitäten, sondern in den unsichtbaren Infrastrukturen: der Abschaltung veralteter Legacy-Systeme, der KI-basierten Automatisierung im Backoffice und der Bereinigung ungenutzter Produktvarianten.

Gemeinsam die richtige Balance aus Kosten und Ertrag finden

Zwei Schritte sind wesentlich für ein effizientes Kostenmanagement:

  • Prozess-Redesign mit KI: Geeignete Prozesse durch KI-Investitionen neu gestalten und Altsysteme konsequent abschalten.
  • Prozesskosten-Analyse: Eine detaillierte Analyse der Prozess- und Standardstückkosten durchführen, um diese regulatorisch belastbar und steuerungswirksam zu verankern.